Article

Großrazzia: Fast 6 Mrd. Euro Spieleinsätze bei illegalem Online-Glücksspiel – welche Rechte haben Spieler?

von Patrick Redell

Eine aktuelle Großrazzia im Rhein-Main-Gebiet zeigt erneut die enorme Dimension illegalen Online-Glücksspiels in Deutschland.

Nach einem Bericht der Tagesschau vom 9. September 2026 sollen über mutmaßlich unerlaubte Online-Glücksspielplattformen zwischen Juli 2021 und Ende 2023 Spieleinsätze von rund 5,86 Milliarden Euro abgewickelt worden sein.

Mehr als 100 Einsatzkräfte durchsuchten elf Objekte. Gegen einen Hauptbeschuldigten wurde Haftbefehl vollstreckt. Zudem wurden Vermögenswerte von rund 82 Millionen Euro gesichert. Für das Jahr 2024 gehen die Ermittlungsbehörden außerdem von einem mutmaßlichen Steuerschaden von rund 77,6 Millionen Euro aus.

Quelle: Tagesschau, 09.09.2026
https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-fast-sechs-milliarden-euro-mit-illegalem-online-gluecksspiel-umgesetzt-100.html

Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Wann ist Online-Glücksspiel illegal?

Seit dem 1. Juli 2021 gilt der Glücksspielstaatsvertrag 2021. Online-Glücksspiel ist seitdem nicht generell erlaubt.

Vielmehr benötigen Anbieter für erlaubnisfähige Glücksspielangebote grundsätzlich eine deutsche glücksspielrechtliche Erlaubnis.

§ 4 Abs. 1 Satz 1 GlüStV 2021 bestimmt:

„Öffentliche Glücksspiele dürfen nur mit Erlaubnis der zuständigen Behörde des jeweiligen Landes veranstaltet oder vermittelt werden.“

Eine ausländische Lizenz – etwa aus Malta – ersetzt die erforderliche deutsche Erlaubnis grundsätzlich nicht.

Ob ein Anbieter über eine deutsche Erlaubnis verfügt, kann anhand der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder überprüft werden.

Strafrechtliche Folgen

Das Veranstalten unerlaubten Glücksspiels kann nach § 284 StGB strafbar sein.

Bei gewerbs- oder bandenmäßigem Vorgehen droht nach § 284 Abs. 3 StGB eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Auch Spieler können grundsätzlich nach § 285 StGB strafrechtlich betroffen sein. Voraussetzung ist jedoch Vorsatz. Entscheidend ist daher insbesondere, ob der Spieler wusste, dass das Glücksspielangebot in Deutschland unerlaubt war.

Können Spieler ihre Verluste zurückfordern?

Für betroffene Spieler ist vor allem die zivilrechtliche Frage relevant.

Fehlte dem Anbieter die erforderliche deutsche Erlaubnis, können Spielverträge wegen Verstoßes gegen ein gesetzliches Verbot nichtig sein.

In diesem Fall können sich Rückzahlungsansprüche ergeben.

Der Europäische Gerichtshof hat mit Urteil vom 16.04.2026 – C-440/23 die Position betroffener Spieler gestärkt. Danach steht das Unionsrecht einer Rückforderung von Spieleinsätzen wegen eines nationalen Glücksspielverbots grundsätzlich nicht entgegen.

Auch für den Zeitraum nach dem 1. Juli 2021 gibt es verbraucherfreundliche Rechtsprechung.

Welche Beträge können zurückgefordert werden?

Grundsätzlich kommt eine Rückforderung der tatsächlich verlorenen Spieleinsätze in Betracht.

Dabei sind erhaltene Auszahlungen und Gewinne zu berücksichtigen.

Bloße Einzahlungen auf ein Spielerkonto sind von tatsächlich eingesetzten Beträgen zu unterscheiden. Deshalb sollte die Transaktions- und Spielhistorie möglichst vollständig ausgewertet werden.

Auch der Spielort kann relevant sein. Verluste aus Spielteilnahmen, die nachweislich aus dem Ausland erfolgten, können von einer auf deutsches Glücksspielrecht gestützten Rückforderung ausgenommen sein.

Fazit

Die aktuellen Ermittlungen zeigen, dass illegales Online-Glücksspiel auch nach Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 weiterhin erhebliche wirtschaftliche Bedeutung hat.

Für Spieler gilt:

Online verfügbar bedeutet nicht automatisch legal.

Fehlte einem Anbieter die erforderliche deutsche Glücksspiellizenz, können Spielverträge nichtig und verlorene Spieleinsätze grundsätzlich rückforderbar sein.

Entscheidend sind insbesondere der konkrete Anbieter, die Spielform, der Spielzeitraum, der damalige Lizenzstatus, der Spielort und die Kenntnis des Spielers.

Wer größere Beträge bei einem möglicherweise nicht lizenzierten Online-Glücksspielanbieter verloren hat, sollte prüfen lassen, ob Rückzahlungsansprüche bestehen.