Der Europäischer Gerichtshof (EuGH) hat am 16. April 2026 eine der zentralen Fragen im europäischen Glücksspielrecht entschieden: War das frühere deutsche Verbot von Online-Glücksspielen mit der europäischen Dienstleistungsfreiheit vereinbar?
Die Antwort aus Luxemburg ist klar – und hat erhebliche praktische Konsequenzen für Spieler und Anbieter gleichermaßen.
Worum ging es im Verfahren?
Im Verfahren C-440/23 standen zwei maltesische Glücksspielanbieter im Fokus, die ihre Online-Dienstleistungen auch in Deutschland angeboten hatten. Ein deutscher Spieler hatte diese Angebote genutzt und dabei Verluste erlitten.
Das Problem:
Zum damaligen Zeitpunkt (2019–2021) waren viele Formen des Online-Glücksspiels in Deutschland schlicht verboten – insbesondere virtuelle Automatenspiele und Online-Casinospiele.
Trotzdem beriefen sich die Anbieter auf ihre Lizenz aus Malta und die europäische Dienstleistungsfreiheit.
Die zentrale Frage
Darf ein EU-Mitgliedstaat solche Angebote verbieten – obwohl sie in einem anderen Mitgliedstaat legal sind?
Und noch wichtiger für die Praxis:
Können Spieler ihre Verluste zurückfordern, wenn sie an solchen (verbotenen) Angeboten teilgenommen haben?
Die Entscheidung des EuGH
Der EuGH hat beide Fragen zugunsten der nationalen Regulierung beantwortet:
- Das frühere deutsche Totalverbot verstößt nicht gegen die Dienstleistungsfreiheit (Art. 56 AEUV)
- Mitgliedstaaten dürfen Online-Glücksspiel streng regulieren oder verbieten
- Verträge über verbotene Glücksspielangebote können unwirksam sein
- Spieler können verlorene Einsätze zurückverlangen
Besonders relevant:
Auch die spätere Liberalisierung des deutschen Glücksspielrechts ab Juli 2021 ändert nichts an der rechtlichen Bewertung der vorherigen Verbotsphase.
Warum der EuGH so entschieden hat
Der Gerichtshof betont erneut den weiten Gestaltungsspielraum der Mitgliedstaaten im Glücksspielrecht.
Online-Glücksspiel bringt spezifische Risiken mit sich:
- permanente Verfügbarkeit
- erhöhte Suchtgefahr
- fehlende soziale Kontrolle
- besondere Attraktivität für junge und vulnerable Personen
Vor diesem Hintergrund dürfen Staaten Maßnahmen ergreifen, um:
- den Spieltrieb zu steuern
- Verbraucher zu schützen
- illegale Märkte einzudämmen
Was bedeutet das konkret für Spieler?
Für viele Betroffene ist das Urteil eine gute Nachricht.
Wer in der Vergangenheit bei nicht erlaubten Online-Anbietern gespielt hat, kann unter Umständen:
- seine Verluste zurückfordern
- sich auf die Unwirksamkeit der Verträge berufen
- bereits laufende Verfahren mit besseren Erfolgsaussichten fortführen
Das betrifft insbesondere Fälle aus der Zeit vor der Reform des Glücksspielrechts im Jahr 2021.
Einordnung: Mehr als nur ein Einzelfall
Das Urteil ist mehr als eine Einzelfallentscheidung. Es bringt Klarheit in einen jahrelangen Streit zwischen nationalem Glücksspielrecht und europäischem Binnenmarktrecht.
Der EuGH bestätigt dabei eine Linie, die sich bereits angedeutet hatte:
Mitgliedstaaten dürfen im sensiblen Bereich des Glücksspiels eigene, auch strenge Wege gehen.
